Die Frage nach dem Abrechnungsmodell klingt nach Formalie. Tatsächlich entscheidet sie, wer bezahlt, wenn etwas länger dauert als gedacht – und bei Software dauert fast immer irgendetwas länger als gedacht.
Wer trägt welches Risiko?
Beim Stundensatz bezahlen Sie die Zeit, die tatsächlich gebraucht wird. Unterschätzt der Entwickler den Aufwand, bezahlen Sie die Differenz. Arbeitet er langsam oder muss er sich erst einarbeiten, bezahlen Sie das ebenfalls. Sie haben volle Flexibilität – und volles Kostenrisiko.
Beim Festpreis steht die Zahl vorher fest. Unterschätzt der Entwickler den Aufwand, ist das sein Problem. Dafür muss der Umfang vorher genau beschrieben sein, und Änderungen während des Projekts brauchen eine eigene Vereinbarung.
Keines der beiden Modelle ist grundsätzlich besser. Aber eines davon passt fast immer besser zu Ihrem Vorhaben.
Wann ein Festpreis passt
Ein Festpreis ist richtig, wenn sich das Ergebnis vor dem Start beschreiben lässt:
- eine Unternehmenswebsite mit bekannten Seiten und Funktionen
- ein Shop mit überschaubarem Sortiment und Standard-Zahlungsarten
- eine klar umrissene Funktion, etwa ein Anfrageformular mit Weiterleitung ins CRM
- ein Relaunch, bei dem bekannt ist, was übernommen wird
In diesen Fällen hat der Entwickler alle Informationen, um den Aufwand einzuschätzen. Wenn er trotzdem nur nach Stunden abrechnen will, ist das ein Zeichen: Entweder kann er nicht schätzen, oder er will das Risiko nicht tragen. Beides sollten Sie wissen.
Wann nach Aufwand fairer ist
Abrechnung nach Aufwand ist richtig, wenn das Ziel klar ist, der Weg aber nicht:
- Fehlersuche in einem fremden System. Niemand weiß vorher, wie lange es dauert, einen Fehler zu finden, den jemand anderes eingebaut hat.
- Laufende Weiterentwicklung mit wechselnden Prioritäten, bei der jeden Monat neu entschieden wird, was als Nächstes kommt.
- Experimente, bei denen erst herausgefunden werden muss, ob etwas überhaupt geht.
Ein vernünftiger Mittelweg für unklare Vorhaben: eine kurze, bezahlte Analysephase zum Festpreis. Danach ist der Umfang bekannt, und der Rest kann wieder als Festpreis angeboten werden.
Die Falle beim Festpreis: Nachträge
Ein Festpreis ist nur so viel wert wie die Beschreibung, auf der er beruht. Ist der Umfang vage formuliert, wird jede Detailfrage im Projekt zur Verhandlung – und jede Antwort zum Nachtrag. Am Ende steht eine Rechnung, die mit dem ursprünglichen Festpreis wenig zu tun hat.
Ein faires Festpreisangebot erkennen Sie daran, dass es konkret ist:
- Was enthalten ist, so genau, dass ein Dritter es prüfen könnte.
- Was nicht enthalten ist, ausdrücklich. Fehlt dieser Teil, ist er der Ort, an dem später Nachträge entstehen.
- Wie mit Änderungen umgegangen wird. Kleinere Anpassungen im vereinbarten Rahmen sollten ohne neue Rechnung möglich sein. Größere Erweiterungen bekommen ein eigenes, kurzes Angebot – bevor daran gearbeitet wird, nicht danach.
- Wann bezahlt wird. Typisch sind Abschläge nach Meilensteinen statt einer Vollzahlung vorab.
Die Falle beim Stundensatz: das offene Ende
Ein Stundensatz von 60 Euro ist nicht günstiger als einer von 100 Euro, wenn dafür doppelt so viele Stunden anfallen. Vergleichen Sie bei Aufwandsabrechnung deshalb nie Stundensätze, sondern Schätzungen – und fragen Sie, was passiert, wenn die Schätzung überschritten wird.
Sinnvolle Absicherungen:
- Ein Kostendeckel mit Pflicht zur Rücksprache, bevor er erreicht ist.
- Regelmäßige Abrechnung mit Tätigkeitsnachweis, wöchentlich oder monatlich, damit Überraschungen klein bleiben.
- Sichtbare Zwischenstände. Ein klickbarer Stand jede Woche zeigt mehr als jeder Statusbericht.
Wie ich es mache
Ich biete Websites, Shops und klar umrissene Anwendungen zum Festpreis an. Nach einem kostenlosen Erstgespräch bekommen Sie ein schriftliches Angebot mit Umfang, Technik, Zeitplan und einer festen Zahl – inklusive der Punkte, die bewusst nicht enthalten sind.
Das zwingt mich, vorher genau zu fragen. Das ist der eigentliche Vorteil eines Festpreises: Nicht die Zahl selbst, sondern dass vor dem ersten Arbeitstag geklärt ist, was gebaut wird. Missverständnisse, die im Erstgespräch auffallen, kosten nichts. Missverständnisse, die beim Launch auffallen, kosten beide Seiten viel.
Lässt sich ein Vorhaben vorher nicht beschreiben – etwa die Fehlersuche in einem fremden System –, sage ich das im Erstgespräch offen. Dann vereinbaren wir, wie abgerechnet wird, mit einer Schätzung vorab und Rücksprache, bevor sie überschritten wird.
Kurz gesagt
- Lässt sich das Ergebnis beschreiben: Festpreis.
- Ist der Weg unklar: nach Aufwand, mit Deckel.
- Ist das ganze Vorhaben unklar: erst eine kleine Analyse zum Festpreis, dann neu entscheiden.
Und in jedem Fall: Lassen Sie sich schriftlich geben, was nicht enthalten ist. Wenn Sie wissen möchten, was in einem solchen Angebot sonst noch stehen sollte, lesen Sie Was kostet eine Website?
