Wer drei Angebote für eine Website einholt, bekommt oft drei Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben. 900 Euro, 4.500 Euro, 12.000 Euro – für scheinbar dasselbe. Der Reflex ist, das mittlere zu nehmen. Besser ist, zu verstehen, warum die Zahlen so weit auseinanderliegen. Dann lässt sich auch beurteilen, welches Angebot zu Ihrem Vorhaben passt.
Für die Projekte, die ich baue, liegt der übliche Rahmen bei 500 bis 3.000 Euro für Websites und Shops. Webanwendungen mit Login, Rollen und Schnittstellen liegen darüber. Wo ein Projekt in diesem Rahmen landet, entscheiden die Punkte unten.
Erst die Frage: Was genau wird angeboten?
Die Spanne entsteht fast immer, weil die Angebote unterschiedliche Dinge enthalten, ohne es offen zu sagen. Ein Angebot über 900 Euro ist oft ein Baukasten-Layout mit Ihren Texten. Eines über 12.000 Euro enthält vielleicht Konzeptworkshops, Fotografie, Texterstellung, drei Designrunden und ein Jahr Betreuung.
Bevor Sie Preise vergleichen, vergleichen Sie deshalb den Umfang. Ein seriöses Angebot sagt Ihnen nicht nur, was enthalten ist, sondern auch, was bewusst nicht enthalten ist. Fehlt dieser zweite Teil, wissen Sie nicht, wofür Sie bezahlen – und erfahren es erst bei der ersten Nachforderung.
Die sechs Faktoren, die den Preis bestimmen
1. Funktionsumfang
Der größte Hebel. Fünf Seiten mit Text, Bildern und Kontaktformular sind etwas grundlegend anderes als eine Seite mit Terminbuchung, Kundenlogin oder Mitgliederbereich. Jede Funktion, bei der jemand etwas eingibt und das System damit etwas tut, ist Programmierarbeit – mit Prüfung der Eingaben, Fehlerfällen und Tests.
Eine einfache Faustregel: Alles, was nur angezeigt wird, ist günstig. Alles, was reagiert, kostet.
2. Inhalte: Wer liefert Texte und Bilder?
Unterschätzt in fast jedem Projekt. Wenn Texte und Fotos fertig vorliegen, ist die Umsetzung planbar. Wenn sie erst entstehen müssen, ist das ein eigener Arbeitsschritt – und oft der, an dem Projekte wochenlang hängen.
Klären Sie vorher, wer Texte schreibt. Wenn Sie es selbst tun wollen, ist das völlig in Ordnung, gehört aber in den Zeitplan.
3. Design-Tiefe
Ein sauberes, professionelles Layout auf Basis Ihres Logos ist etwas anderes als ein eigenes visuelles Konzept mit mehreren Entwurfsrunden. Beides ist legitim. Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen reicht das Erste vollkommen – Kundschaft entscheidet über Klarheit und Ladezeit, nicht über die dritte Variante einer Schmuckfarbe.
4. Redaktionssystem
Wollen Sie Inhalte selbst pflegen? Dann braucht die Seite ein Redaktionssystem. Ein gut zugeschnittenes, bei dem die Felder genau Ihren Inhalten entsprechen, kostet einmal Zeit – und spart Ihnen danach jede Anfrage für eine Textänderung.
5. Schnittstellen
Jede Anbindung an ein anderes System – Warenwirtschaft, CRM, Buchhaltung, Kalender, Zahlungsanbieter – kostet einmalig Aufwand. Sie ist aber auch der Posten, der sich am schnellsten zurückzahlt, weil danach niemand mehr Daten von Hand überträgt.
6. Datenübernahme
Ein Relaunch mit hundert bestehenden Seiten, Blogartikeln oder Produkten bedeutet: alles übernehmen, alte Adressen auf neue umleiten, prüfen, dass nichts verloren geht. Diese Arbeit sieht man am Ende nicht. Man merkt nur, wenn sie fehlt – meist an verlorenen Suchmaschinen-Positionen.
Die Kosten nach dem Launch
Eine Website kostet nicht nur einmal. Rechnen Sie mit:
- Hosting: von wenigen Euro im Monat für eine statische Seite bis zu deutlich mehr für Anwendungen mit Datenbank und Backups.
- Domain: in der Regel ein kleiner Jahresbetrag.
- Wartung: Updates, Sicherheits-Patches, Überwachung. Bei einer statischen Seite fast nichts, bei einem WordPress mit zwanzig Plugins regelmäßig Arbeit.
- Änderungen: neue Seiten, neue Funktionen. Je besser das Redaktionssystem, desto weniger davon landet bei Ihrem Entwickler.
Fragen Sie im Angebot nach diesen laufenden Kosten. Eine günstige Website, die jeden Monat eine Wartungspauschale braucht, ist nach drei Jahren oft teurer als eine teurere, die einfach läuft.
Festpreis oder nach Aufwand?
Bei einer Website mit klarem Umfang spricht fast alles für einen Festpreis. Sie wissen vor dem Start, was es kostet, und das Risiko einer falschen Schätzung liegt beim Anbieter – wo es hingehört, denn er kann den Aufwand besser einschätzen als Sie. Mehr dazu im Artikel Festpreis oder Stundensatz.
Wann Sie keinen Entwickler brauchen
Wenn Sie eine reine Visitenkarte im Netz brauchen – drei Seiten, ein Kontaktformular, keine Sonderwünsche –, dann ist ein guter Baukasten schneller und günstiger als jedes individuelle Projekt. Das ist keine Floskel, das ist Rechnung: Ein paar Euro im Monat sind über Jahre weniger als ein Projekt.
Ein individuelles Projekt lohnt sich, sobald Sie an die Grenzen des Baukastens stoßen: eigene Abläufe, Schnittstellen, Ladezeit, Suchmaschinen-Sichtbarkeit, oder einfach der Wunsch, dass Ihnen der Code gehört und Sie nicht an einen Anbieter gebunden sind.
So bekommen Sie vergleichbare Angebote
- Beschreiben Sie, was die Seite tun soll, nicht wie sie aussehen soll. „Kunden sollen einen Termin buchen können“ ist besser als „modern und clean“.
- Sagen Sie, was schon da ist: Texte, Fotos, Logo, bestehende Seite.
- Fragen Sie nach dem, was nicht enthalten ist.
- Fragen Sie nach den laufenden Kosten für die ersten drei Jahre.
- Fragen Sie, wem der Code gehört und ob Sie ihn bei einem Wechsel mitnehmen können.
Mit diesen fünf Punkten werden aus drei unvergleichbaren Zahlen drei Angebote, zwischen denen Sie tatsächlich wählen können.
